Elliptische Kurven
Ausgearbeitet von Markus Stengel
Vortrag im Rahmen des Seminars Kryptologie
Universität Tübingen, 2002-06-14
Einer der Gründe für die Bedeutung elliptischer Kurven für die Kryptographie ist, daß sich mit Hilfe dieser Kurven eine sehr große Zahl endlicher abelscher Gruppen erzeugen läßt, die eine ganze Reihe von algebraischen Eigenschaften haben.
In vielerlei Hinsicht sind elliptische Kurven analog zu den multiplikativen Gruppen endlicher Körper, jedoch besitzen sie zwei Vorteile:Es gibt viel mehr von ihnen und sie scheinen bei geringerer Schlüssellänge die gleiche Sicherheit anderer Kryptosysteme zu bieten.
Im Folgenden sollen nun zunächst elliptische Kurven und anschließend die Addition auf ihnen definiert werden.
Definition: Elliptische Kurve
Eine
elliptische Kurve
über einem Körper
ist eine glatte Kurve, die durch eine Gleichung der Form
,
(1)
bestimmt
ist.
Dabei sei
die Menge der Punkte
,
die diese Gleichung erfüllen, zusammen mit dem „Punkt in
der Unendlichkeit“
.
Ist
ein Erweiterungskörper von
,
dann bezeichnet
und die Menge der Punkte
,
die (1) erfüllen.
Die
Kurve ist glatt, wenn es
keinen Punkt in
gibt, in dem die beiden partiellen Ableitungen verschwinden, sie also
keine singulären Punkte besitzt. Demzufolge können die
beiden Gleichungen
,
(2)
von
keinem
gleichzeitig erfüllt werden.
Im
Weiteren sei vorausgesetzt, daß
ist, was die folgenden Rechnungen deutlich vereinfacht. Später
wird jedoch auf den komplizierten Fall
noch eingegangen werden.
Unter
der Voraussetzung, daß
ist, können wir mittels Transformation durch lineare
Substitution
,

(1) überführen in

Durch lineare Subsitution
läßt sich diese noch weiter zu
(3)
vereinfachen. Die so
gegebene Kurve (3) ist glatt, wenn ihre Diskriminante
ist. Dies ist dann der Fall, wenn die beiden partiellen Ableitungen
von (3) verschwinden:
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Ist also
,
so ist die Kurve glatt.
Gegeben: 

Gesucht: Transformation von (1) nach (3)
Rechnung: Substitution
mit
,





Prüfung auf Glattheit:
,












die
Kurve ist glatt und ist in der Form (3)
elliptische
Kurve
Also läßt sich
das dem
in (1) entsprechende
in (3) ermitteln:
,
da
,

Wir möchten mit
elliptischen Kurven rechnen können. Damit dies möglich ist,
möchten wir, daß
zusammen mit + eine Gruppe bildet.
Definition: Gruppe
Eine Menge G zusammen mit einer Verknüpfung + heißt Gruppe, wenn folgende Axiome erfüllt sind:
G1:
(Assoziativgesetz)
G2: Es
gibt ein
,
das neutrales Element
genannt wird und die folgenden
Eigenschaften hat
a)
b)
Zu jedem
gibt es ein
,
das inverses Element genannt wird und für
das gilt:

Die
Gruppe heißt abelsch
oder kommutativ,
falls außerdem
gilt.

Definition der Addition
Sei
eine elliptische Kurve über den reellen Zahlen und durch eine
Gleichung der Form (3) gegeben. Es seien
und
zwei Punkte auf
.
Wir definieren nun die Summe
und das Negative von
wie folgt:
Ist
der Punkt in der Unendlichkeit
,
so definieren wir
.
Für jeden Punkt
definieren wir
;
dient also der Gruppe der Punkte als Nullelement. Im Folgenden
sollen weder
noch
der Punkt in der Unendlichkeit sein.
Der
negative Punkt
ist der Punkt mit derselben x-Koordinate wie
,
jedoch mit der negativen y-Koordinate von
:
.
Aus Gleichung (3) ist offensichtlich, daß
sich genau dann auf der Kurve befindet, wenn
sich auf ihr befindet. Ist
,
dann sei
der
Punkt in der Unendlichkeit
,
also
.
Haben
und
verschiedene x-Koordinaten, dann werden wir im Folgenden zeigen, daß
die Linie
die Kurve in genau einem weiteren Punkt
schneidet. Falls
die Tangente an die Kurve im Punkt
ist, setzen wir
;
ist
die Tangente an die Kurve im Punkt
,
setzen wir
.
Nun definieren wir
,
also den an der x-Achse gespiegelten Punkt von R, dem dritten Punkt,
an dem die Linie die Kurve schneidet. (s.o.)
Die
letzte Möglichkeit ist, daß
ist. Dann sei
die Tangente an die Kurve im Punkt
und
sei der einzige weitere Schnittpunkt von
mit der Kurve. Nun definieren wir
(es wird also angenommen, daß

ist, wenn
ein Wendepunkt ist).
Diese Regeln haben eine leicht zu merkende Eigenschaft:
„Die Summe der drei Punkte, in denen eine Linie die Kurve schneidet, ist Null“
Tangenten und Sekanten
Die Ermittlung der Tangenten- und Sekantengleichungen sei durch folgendes Beispiel veranschaulicht:
Es
sei eine elliptische Kurve durch die Gleichung
gegeben. Durch Probieren finden wir schnell die Lösungen
.
Die
Verbindungsgerade von
und
ist
.
Wir
setzen die Geradengleichung in die Kurve ein und erhalten den
weiteren Punkt
,
haben also eine neue rationale Lösung
der Gleichung
gefunden.
Die
Tangente im Punkt
erhalten wir, indem wir die Kurvengleichung (lokal) nach x
differenzieren. Wir erhalten
,
in die wir
einsetzen. Die Tangentengleichung wird damit zu
.
Wir schneiden die Kurve mit der Tangente, indem wir die
Tangentengleichung in die Kurvengleichung einsetzen und erhalten als
zusätzlichen Punkt
,
also eine neue Lösung der Gleichung.
Die
Tangente im Punkt
ist
.
Sie schneidet die Kurve in dem bereits bekannten Punkt
.
Sei
die elliptische Kurve
gegeben durch die Gleichung
.
Sekantenschnitte
Seien Kurvenpunkte
,
mit
gegeben. Es gibt 2 Fälle:
.
Wegen
ergibt sich dann
.
Die Verbindungsgerade
ist dann
und schneidet
nur in den Punkten
und
.
.
Die Verbindungsgerade ist
mit
,
abgekürzt
.
Durch Einsetzen in die Kurvengleichung erhalten wir ein
kubisches Polynom; es gibt also 3 Nullstellen, von denen wir 2
bereits kennen. Es gilt dann:
,
(da
).
Tangentenschnitte
Sei
ein Kurvenpunkt, d.h.
.
Es gibt wieder 2 Fälle:
.
Die Tangentengleichung ist dann
,
die Tangente schneidet die Kurve nur im Punkt

Sei
jetzt
und
die Tangentengleichung. Diese setzt man in die differenzierte
Kurvengleichung
ein und erhält nach Einsetzen des Punktes
.
Durch Einsetzen in die Tangentengleichung und anschließenden
Koeffizientenvergleich ergibt sich
,

Jetzt haben wir alle benötigten Gleichungen und können das Additionsgesetz auf den elliptischen Kurven wie folgt definieren:
Definition: Elliptische Kurve
Sei
durch
eine elliptische Kurve über
mit
gegeben. Wir definieren eine Verknüpfung + auf
wie folgt:
Für
alle
sei

Gilt
für
die Beziehung
und
,
so sei

Setze
falls
,
setze
falls
.
Dann ist
mit
und
.
Spezialfall
:
Ist
kann man auf ähnliche Weise wie oben, nur komplizierter, die
Addition definieren. Schwierigkeiten bereitet folgendes:
:
Die Kurve ist niemals glatt
:
kann nicht entfernt werden
Es lassen sich jedoch andere Formeln finden, die aufgrund des Umfangs der Herleitung nur angegeben werden:
:
,
nicht-supersingulärer Fall:
:
,
,

:
,

,
supersingulärer Fall:
:
,
,

:
,

,
muß nicht 0 sein:
:
,
,

:
,
,
Satz
Ist
eine elliptische Kurve über
,
so ist (
,
+ ) eine elliptische Gruppe mit neutralem Element
.
Das Inverse von
ist
.
Beweis
G1: ohne Beweis, s. Literatur
G2: gilt nach Definition
abelsch: gilt nach Definition
I.
gegeben:
,

gesucht: 
Rechnung:
Aufgrund
der linearen Transformation können wir
berechnen und später wieder zurücktransformieren:
Tangente,
da













II.
gesucht: 
Rechnung:

Sekante,
da





,

Diese Kurve hat die folgenden Nullstellen:

Bei Benutzung der Formeln für die Addition erhalten wir folgende Verknüpfungstabelle:
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+ |
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|---|---|---|---|---|
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„Elliptische Kurven in der Kryptographie“, A. Werner, 2000, Springer Verlag