Eberhard-Karls-Universität Tübingen 24.11.2004

Seminar für Japanologie

Proseminar Kulturwissenschaft

Dozent: Prof. Dr. Klaus Antoni

Referent: Markus Stengel

Tendai-Buddhismus

Entstehung und Entwicklung

Geburt Saichōs, auch Dengō Daishi genannt

Rückzug von Saichō auf den Berg Hiei in eine Hütte

Entdeckung der Tientai-Schriften

Reise nach China, Akkreditierung durch chinesischen Tientai-Meister, Studium einiger Rituale des esoterischen Buddhismus

Rückkehr nach Japan, Gründung der Tendai-Sekte auf dem Berg Hiei nach offizieller Anerkennung durch Kaiser Kammu, Mandat für esoterischen Buddhismus

Bruch mit Kūkai (774-835), fortwährende Rivalität zwischen Shingon und Tendai

Bitte an den Hof um Genehmigung eines separaten Ordinationssystems

Tod Saichōs

Genehmigung des separaten Ordinationssystems für Tendai, damit also institutionelle Unabhängigkeit von Nara, Umbenennung des Tendai-Zentrums zum Enryakuji

Entstehung der Hongaku-Philosophie, starker Einfluss auf die aus Tendai entstehenden Sekten

Tendai auf dem Höhepunkt seines Einflusses und seiner Verbreitung, starke Unterstützung durch die Aristokratie und den Kaiser

Enryakuji wird mehr und mehr zu einem Zentrum von politischem Einfluss und Macht, Kriegermönche verteidigen die Interessen des Tempels auch mit Waffengewalt

fast vollständige Zerstörung des 3000 Gebäude umfassenden Tempelkomplexes auf dem Berg Hiei durch Oda Nobunaga, von diesem Schlag erholte sich der Tendai-Buddhismus nie wieder


Lehre

    1. Sagen, dass kein Ding eine eigene Existenz hat, soll bedeuten, dass nichts eine Existenz in sich selbst hat

    2. Das heißt nicht, dass überhaupt nichts existiert, sondern eher, dass der Zustand der ultimativen Wirklichkeit jenseits aller begrifflichen Konzepte wie Existenz oder Nicht-Existenz liegt

    3. Was auch immer der Zustand der ultimativen Wirklichkeit sein mag, er ist niemals abstrakt, sondern ist identisch mit der unbeständigen, sich darstellenden („phänomenalen“) Welt

    4. Daher die Aussagen: „Alles ist wirklich“, „jedes Ding ist identisch mit allen Dingen“, „jemandes unwissender, nicht erleuchteter Zustand ist identisch mit dem Zustand des Buddhaseins

Quellen

Beasley, William G.: The Japanese Experience. A Short History of Japan. 3. Auflage. Berkley; Los Angeles: University of California Press, 2000.


Nakamura, Hajime: Buddhism. Kodansha encyclopedia of Japan Bd. 1. Tokio, Japan: Kodansha Ltd., 1983. S. 176-180


Petzold, Bruno; Hammitzsch, Horst (Hrsg.): Studien zur Japanologie. Die Quintessenz der T'ien-T'ai-(Tendai)-Lehre. Darmstadt, Deutschland: Hessische Druckerei GmbH, 1982.


Shirakawa, Zenryū: Tendai. Kodansha encyclopedia of Japan Bd. 8. Tokio, Japan: Kodansha Ltd., 1983. S. 4-5